Charité macht Humangewebe für die Forschung nutzbar
Was in der Klinik bislang oft im Abfall landet, ist für die biomedizinische Forschung von großem Wert: Die Charité Universitätsmedizin Berlin entwickelt mit der „Primary Tissue Pipeline“ eine neue Plattform, um menschliches Gewebe gezielt für wissenschaftliche Zwecke nutzbar zu machen – und damit künftig Tierversuche zu ersetzen.
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Worum geht es im Projekt „Primary Tissue Pipeline“?
Bei medizinischen Eingriffen fällt regelmäßig menschliches Gewebe an – etwa bei Operationen oder Biopsien. Ein Großteil davon landet im Müll, obwohl es sich um lebendes menschliches Material handelt, das für die biomedizinische Forschung extrem wertvoll ist. Genau hier setzt die Primary Tissue Pipeline der Charité an: Ziel des Projekts ist es, dieses bislang ungenutzte Potenzial zu erschließen. Forschende sollen künftig einfacher und schneller Zugang zu frischen Gewebeproben erhalten, indem der Weg aus der Klinik in die Labore erleichtert wird.
Was ist das Besondere an dem Ansatz?
Was bisher oft dem Zufall oder persönlichen Kontakten überlassen war, wird nun professionell organisiert. Die Pipeline schafft eine Schnittstelle zwischen Klinikbetrieb und Forschung. Sie unterstützt Forschende bei allen Schritten: von der Projektplanung über die Kontaktaufnahme zur Klinik bis hin zur qualitätsgesicherten Übergabe des Gewebes. Ziel ist es, Prozesse zu standardisieren und den Zugang zu Bioproben verlässlich zu gestalten.
Wie trägt das Projekt zum 3R-Prinzip bei?
Die Primary Tissue Pipeline leistet einen direkten Beitrag zur Umsetzung des 3R-Prinzips, insbesondere im Sinne des Replace-Aspekts – dem Ersatz von Tierversuchen. Durch die strukturierte Bereitstellung lebender menschlicher Gewebeproben erhalten Forschende Zugang zu Material, das realitätsnähere Modelle ermöglicht als viele tierische Systeme. So können beispielsweise patientenspezifische Organoide oder zelluläre Modelle entwickelt werden, die Krankheitsmechanismen beim Menschen genauer abbilden. Damit trägt das Projekt dazu bei, Tierversuche dort zu ersetzen, wo geeignete humane Alternativen zur Verfügung stehen.
Was ist das langfristige Ziel des Projekts?
Die Primary Tissue Pipeline baut eine verlässliche Infrastruktur auf, mit der Forschende hochwertige Gewebeproben gezielt erfassen, sicher lagern und direkt mit klinischen Daten verknüpfen können. So entstehen neue krankheitsrelevante Modelle, und auch bestehende Forschungsansätze gewinnen an Aussagekraft – vor allem dort, wo menschliches Gewebe tierexperimentelle Verfahren sinnvoll ersetzt. Das Projekt stärkt damit nicht nur die wissenschaftliche Qualität, sondern auch die ethische Verantwortung in der präklinischen Forschung. Gleichzeitig bietet die Pipeline ein Modell, das sich auch auf andere Klinikstandorte übertragen lässt.
Die VolkswagenStiftung fördert die Primary Tissue Pipeline als „Pioniervorhaben“ mit rund 370.000 Euro für zwei Jahre. Weitere Informationen finden Sie hier.
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