Neuer Ansatz für eine moderne Sicherheitsbewertung
Wie lassen sich mögliche Risiken von Chemikalien und Arzneistoffen für die menschliche Entwicklung zuverlässig untersuchen und zugleich Tierversuche reduzieren? Das internationale Verbundprojekt „ReproTracker“ setzt genau hier an. Im Mittelpunkt steht die Validierung einer humanbasierten In-vitro-Methode, die wichtige Prozesse der frühen Embryonalentwicklung abbildet.
Quelle: Corona Borealis – stock.adobe.com
Worum geht es im Projekt „ReproTracker“?
Die Untersuchung entwicklungs- und reproduktionstoxischer Effekte ist ein wichtiger Bestandteil der Sicherheitsbewertung von Chemikalien, Arzneimitteln und anderen Substanzen. Bislang basiert diese Bewertung noch überwiegend auf Tierversuchen. Im Verbundprojekt ReproTracker arbeiten mehrere Partner gemeinsam an der Validierung einer neuen In-vitro-Methode auf Basis so genannter humaner induzierter pluripotenter Stammzellen. Das niederländische Biotech-Unternehmen „Toxys“ übernimmt dabei die Koordination der Entwicklung.
Was ist das Besondere an diesem Ansatz?
Das Projektteam untersucht mögliche entwicklungsgefährdende Wirkungen direkt in einem humanbasierten Zellsystem und bildet dabei wichtige Prozesse der frühen Embryonalentwicklung ab. Dadurch können Auswirkungen von Substanzen näher an der menschlichen Biologie untersucht werden als mit klassischen tierbasierten Testsystemen. Dabei prüfen die Forschenden systematisch innerhalb und zwischen verschiedenen Laboren, wie zuverlässig, reproduzierbar und übertragbar ihre Entwicklung ist. Diese Validierung ist eine wichtige Voraussetzung, um Vertrauen in die Methode zu schaffen und ihren Weg in die regulatorische Anwendung zu unterstützen.
Wie trägt das Projekt zum 3R-Prinzip bei?
Für die Bewertung entwicklungs- und reproduktionstoxischer Wirkungen werden derzeit noch sehr viele Versuchstiere benötigt. Die neue Methode ReproTracker ermöglicht es, potentielle entwicklungsgefährdende Effekte in vitro an menschlichen Zellen zu untersuchen und damit perspektivisch einen Teil dieser Tierversuche zu ersetzen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass solche innovativen Methoden ausreichend validiert sind und zuverlässige Ergebnisse liefern. Genau hier setzt das Verbundprojekt an: Durch die umfassende Validierung wollen die Forschenden dazu beitragen, die humanbasierte Methode für eine breitere Nutzung verfügbar zu machen.
Was ist das langfristige Ziel des Projekts?
Ziel ist, dass ReproTracker als zuverlässige humanbasierte Methode in der Sicherheitsbewertung eingesetzt wird. Hierfür will das Forschungsteam das wissenschaftliche und regulatorische Vertrauen in die Methode stärken und eine Grundlage für weitere Schritte in Richtung regulatorischer Akzeptanz schaffen. Perspektivisch sollen entwicklungsgefährdende Wirkungen von Chemikalien und Arzneistoffen somit stärker auf Basis humanrelevanter Daten bewertet werden können. So möchte das Projektteam zu einer modernen Sicherheitsbewertung beitragen, die wissenschaftlich aussagekräftig ist und zugleich deutlich weniger Versuchstiere benötigt.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt unterstützt die deutschen Verbundpartner des Projekts ReproTracker im Rahmen der deutsch-niederländischen Förderinitiative „ValNAM“ mit rund 195.000 Euro. Weitere Informationen finden Sie hier.
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