Tierethik im Forschungsalltag verankern

Wissenschaftliche Fakten allein reichen oft nicht aus, um die Vertretbarkeit von Tierversuchen sicher zu beurteilen. Häufig fehlt es an der Kompetenz, ethische Argumentationsmuster sicher anzuwenden. Die interdisziplinäre E-Learning-Plattform „3REthicsWeb“ soll diese Lücke schließen: Durch praxisnahe Fallbeispiele aus der Forschung hilft das modulare Training dabei, ethische Reflexion fest in der wissenschaftlichen Praxis zu verankern.

3REthicsWeb
Quelle: Olga Yastremska, New Africa, Africa Studio – stock.adobe.com

Worum geht es im Projekt „3REthicsWeb“?

3REthicsWeb ist eine interdisziplinäre und modulare E-Learning-Plattform: Sie vermittelt nicht nur praxisrelevante (tier-)ethische Grundlagen und Argumentationsmuster zur ethischen Vertretbarkeit von Tierversuchen, sondern informiert zudem umfassend über ein ethisches Verständnis von 3R-Maßnahmen und Alternativmethoden. 

Was ist das Besondere an diesem Ansatz?

Die Interdisziplinarität: Denn bestehende Institutionen und Formate zur Verbreitung des 3R-Konzepts und von Alternativmethoden zielen häufig breitflächig auf die erforderlichen natur- und lebenswissenschaftlichen Kenntnisse ab. Sie vermitteln dabei zwar meist (tier-)ethische Grundlagen, doch konkretisieren und verbinden sie diese nicht mit der Förderung interdisziplinärer ethischer Argumentations- und Diskurskompetenzen. Dadurch finden sie keinen Eingang in den Forschungsalltag. Diese Lücke will das Forschungsteam durch die interdisziplinär ausgerichtete und modulare E-Learning-Plattform schließen. Sie vernetzt und bündelt bestehende Angebote und Modelle, indem sie sie in ein ethisch und vermittlungstheoretisch fundiertes Kompetenzmodell einbindet.

Wie trägt das Projekt zum 3R-Prinzip bei?

Eine umfassende ethische Grundbildung fördert das Verständnis für 3R-Maßnahmen und deren Verbreitung. Das 3R-Konzept macht nur einen kleinen Teil der tierethischen Grundlagen aus, die bekannt sein müssen, um über eine ethische Vertretbarkeit von Tierversuchen ernsthaft reflektieren und diese gerechtfertigt einschätzen zu können. Forschende und an Genehmigungsprozessen Beteiligte müssen befähigt werden, sich mit diesem ethischen „Unterbau“ auf dem aktuellen Stand der tierethischen Debatte informiert auseinanderzusetzen und ihre je eigenen Argumentationen und Positionen begründet zu vertiefen. Darüber hinaus wirft die Entwicklung und Implementierung von Alternativmethoden neue tier- und humanethische Fragestellungen auf, die einer innovativen Ethik der Alternativmethoden bedarf.

Was ist das langfristige Ziel des Projekts?

Die Plattform richtet sich in erster Linie an Forschende sowie an Personen, die an Genehmigungsprozessen für Tierversuche beteiligt sind. Sie eignet sich auch für Personen, die entsprechend des modularen Aus- und Fortbildungsrahmens der EU oder an Universitäten und Schulen lehren. Die Lerninhalte unterstützen die Nutzenden anhand von Fallbeispielen aus der Grundlagenforschung, der translationalen Forschung und der Ausbildung dabei, eine wissenschafts- sowie tierethisch fundierte Einschätzung der ethischen Vertretbarkeit von Tierversuchen zu treffen. Konkret entwickeln sie während des Trainings ein vertieftes Verständnis für die Potenziale der Anwendung von 3R- und Alternativmethoden und lernen, interdisziplinäre ethische Kompetenzen in ihre Forschung und ihren Arbeitsalltag zu integrieren.

Kontakt zur Projektkoordinatorin Dr. Julia Dietrich, FU Berlin

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