3R-Jahrestagung in NRW setzt neue Maßstäbe

Erstmals zog die Jahrestagung des 3R-Kompetenznetzwerks NRW rund 170 Teilnehmende aus ganz Europa an – darunter auch viele Vertreterinnen und Vertreter aus der Industrie. Die Veranstaltung zeigte, wohin sich die 3R-Forschung entwickelt: hin zu neuen, vielfältigeren Modellen, stärkerer Vernetzung und einer gezielten Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Keynote bei der 3. Jahrestagung 
Quelle: Burak Bali/ 3R-Kompetenznetzwerk NRW

Mit 170 Teilnehmenden, rund zwanzig Referentinnen und Referenten und zahlreichen Workshops erreichte die diesjährige Jahrestagung des 3R-Kompetenznetzwerks NRW ein großes Publikum. Das macht deutlich: Die 3R-Community wächst und baut ihren Einfluss in der biomedizinischen Forschung weiter aus. So nahmen an der Tagung im niederländischen Vaals auch erstmals Vertreterinnen und Vertreter aus der Industrie in großer Zahl teil.

Ein Schwerpunktthema war der Austausch zwischen den verschiedenen regionalen und überregionalen 3R-Initiativen, darunter auch das Bundesnetzwerk 3R. Ziel ist es, die 3R-Forschung stärker sichtbar zu machen. Deutlich wurde, dass sich die Akteurinnen und Akteure zunehmend vernetzen – nicht nur auf wissenschaftlicher, sondern auch auf struktureller Ebene, etwa bei Fortbildungsformaten und Datenaustausch. Solche Verbindungen erleichtern die Zusammenarbeit und schaffen gemeinsame Rahmenbedingungen für Forschung und Ausbildung.

Transfer gewinnt an Bedeutung

Internationale Perspektiven brachte die Keynote von Dr. Chris Barkus vom britischen National Centre for the Replacement, Refinement and Reduction of Animals in Research, kurz NC3Rs, ein. Er zeigte anhand von Beispielen aus 20 Jahren Programmarbeit, wie Innovationen ihren Weg aus einzelnen Laboren in die allgemeine Praxis finden. Dieser Transfer gewinnt auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung.

Bemerkenswert war auch die Bandbreite der vorgestellten Modelle und Methoden. Lungensphäroide, Gehirn-Organoide, „Liver-on-a-Chip“-Systeme und iPSC-basierte Nervenmodelle standen Seite an Seite mit ex vivo-Gewebeschnitten und statistischen Tools zur Versuchsplanung. Dabei spielt zunehmend auch die Frage eine Rolle, wie qualitativ gesichert und transparent dokumentiert wird – Stichwort: Präregistrierung.

Impulse für Nachwuchsforschende

Ein eigenes Format richtete sich erstmals auch an Nachwuchsforschende. Beim Workshop am Uniklinikum Aachen entwickelten die Teilnehmenden eigene 3R-Roadmaps, diskutierten über konstruktive Fehlerkultur und lernten digitale Tools kennen. Im Fokus standen auch praktische Fragen: Was gehört in einen wissenschaftlich tragfähigen Antrag für Tierversuche? Oder wie lassen sich Laborabläufe dokumentieren? Die Ergebnisse wurden im Plenum vorgestellt und stießen nach Angaben der Organisatoren auf großes Interesse.

Die 3Rs sind längst nicht mehr nur ein ethisches Leitbild. Sie entwickeln sich zu einem interdisziplinären Arbeitsfeld, das wissenschaftliche Qualität und Tierschutz wirkungsvoll miteinander verknüpft. Die Tagung zeigte, wie stark die Community gewachsen ist und wo sie in Zukunft ansetzen möchte: bei gemeinsamen Standards, besser zugänglichen Trainingsressourcen und stärkerer bundesweiter Vernetzung. So zog auch Netzwerkmanager Michael To Vinh ein positives Fazit: „Die diesjährige Tagung hat eindrucksvoll gezeigt, dass die 3Rs nicht nur ein Konzept, sondern eine gemeinsame Haltung sind. Die Vielfalt und das Engagement unserer Community – von Early Career Researchers bis zur Industrie – machen deutlich, dass verantwortungsvolle Forschung eine starke Zukunft hat.“

Das vollständige Abstract Book zur Veranstaltung finden Sie hier.

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