„Wissenschaft kann Gefühle wecken“

Wer Lea Wirth zuhört, der spürt schnell: Die junge Forscherin brennt für ihr Thema. Im Labor sucht sie nach Biomarkern für Alzheimer oder Parkinson, auf der Bühne bringt sie das Publikum mit Forschungsgeschichten zum Lachen. Lea Wirth vereint zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen. Und genau darin liegt ihre Stärke.

Lea Wirth
Quelle: © Lea Wirth

Liebe, Spaß, Faszination – das sind Worte, die häufig fallen, wenn Lea Wirth über ihre Arbeit spricht. Für die junge Frau ist ihre Forschung weit mehr als kopflastige Theorie. „Wissenschaft schafft Wissen, aber sie kann auch Gefühle wecken.“ Diese Überzeugung trägt sie nicht nur ins Labor, sondern auch auf die Bühne. Regelmäßig nimmt sie an Science Slams in ganz Deutschland teil. 2023 hat sie sogar die Deutsche Meisterschaft gewonnen.

Lea Wirth gelingt es, komplexe Wissenschaft so zu erklären, dass ihr auch Menschen ohne naturwissenschaftlichen Hintergrund gut folgen können. „Forschung lässt sich besser vermitteln, wenn man sie mit Emotionen verbindet“, erklärt sie. „In meinen Vorträgen versuche ich, die Leute zum Lachen und zum Staunen zu bringen.“ Dabei klingt ihr Thema auf den ersten Blick alles andere als eingängig. In ihrem Sieger-Slam ging es darum, wie man Medikamente oder Drogen nach dem Tod im menschlichen Auge nachweisen kann – das Thema ihrer Bachelorarbeit.

„Da ist es um mich geschehen“

Zurzeit promoviert Wirth am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE e.V.) in Ulm. Dort sucht sie nach Biomarkern in Form von Proteinen und Peptiden für Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson. Das sind winzige Moleküle, die verraten können, was im Körper schon lange vor den ersten Symptomen geschieht. „Wenn Patientinnen und Patienten Auffälligkeiten bemerken, ist die Erkrankung häufig bereits weit fortgeschritten“, sagt sie. Ihr Ziel: Krankheitsprozesse sichtbar zu machen, damit Diagnosen schneller und präziser gestellt werden und Therapien rechtzeitig beginnen können.

Schon im Bachelorstudium der Industriellen Biotechnologie in Ansbach stand Lea Wirth zum ersten Mal an einem Massenspektrometer – ein Apparat, mit dessen Hilfe man eine Vielzahl von Biomolekülen, etwa im menschlichen Blut, sehr präzise bestimmen kann. „Da ist es um mich geschehen“, sagt sie lachend. „Mich fasziniert, wie vielseitig diese Technologie ist und dass sie immer wieder neue Antworten liefern kann.“ Seitdem ist die Massenspektrometrie der rote Faden ihrer Forschungsarbeit: über forensische Toxikologie und Metabolomics bis hin zur aktuellen Arbeit an neurodegenerativen Erkrankungen.

„Wenn Tierversuche, dann nur verantwortungsbewusst und respektvoll“

In ihrer Forschung setzt Wirth größtenteils humane Proben ein. „Für mich war von Anfang an klar, dass ich möglichst nah am Menschen forschen möchte“, sagt sie. Dass sie dabei auch hilft, Tierversuche in der neurologischen Forschung deutlich zu reduzieren, ist für sie ein wünschenswerter Nebeneffekt. „Ich bin froh, wenn ich gleichzeitig zur Steigerung der wissenschaftlichen Qualität und zum Tierwohl beitragen kann“, so Wirth.

Lea Wirth ist die Erste in ihrer Familie, die studiert hat. Dass sie heute promoviert, sieht sie nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als Summe vieler kleiner Erfolge. „Es war kein großer Schlüsselmoment, der alles verändert hat, sondern viele Schritte, die mich Stück für Stück weitergebracht haben.“ Auch ihre Haltung zu Tierversuchen ist persönlich geprägt. Sie ist mit Tieren aufgewachsen, lebt heute mit einem Kater zusammen, den sie von der Straße gerettet hat. „Ich verstehe die Relevanz von Tierversuchen. Aber wenn sie notwendig sind, dann nur verantwortungsbewusst und respektvoll.“

Gerade arbeitet sie an ihrem neuen Vortrag für den nächsten Science Slam, diesmal über das Thema ihrer Promotion. Ihr Erfolgsrezept: „Ich versuche immer an ein konkretes Bild anzuknüpfen, mit dem die meisten etwas anfangen können.“ Für ihren Massenspektrometer, ihr entscheidendes Messinstrument, hat sie schon einen anschaulichen Bezug gefunden. „Ich vergleiche ihn einfach mit einem sehr teuren Staubsauger, der Gehirnkrümel aufsaugt“, sagt sie. „Es macht mir riesigen Spaß, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen.“

Welchen Rat möchten Sie dem wissenschaftlichen Nachwuchs mitgeben?

  • Probiert euch aus – es lohnt sich, das zu finden, was euch wirklich Freude bereitet. Achtet darauf, euch dabei selbst treu zu bleiben. Veränderungen gehören dazu: Ihr werdet euch entwickeln, und das ist kein Grund zur Angst, sondern eine Chance.
  • Entscheidungen sind Momentaufnahmen: Was heute richtig ist, darf sich morgen anders anfühlen und trotzdem war die Entscheidung im Moment ihres Treffens richtig. Erlaubt euch, eure Richtung anzupassen, ohne das Gefühl zu haben, etwas „falsch“ gemacht zu haben.

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